Von der Redaktion Wärmepumpen Vergleichsportal · Stand: 15. Oktober 2026, 15:49 Uhr
Eine Erdwärmepumpe erreicht im Bestand im Mittel eine Jahresarbeitszahl von 4,1 (Luft-Wasser: 3,1; Fraunhofer ISE nach co2online), kostet aber deutlich mehr, weil Bohrung oder Kollektor dazukommen. Erdwärmebohrungen sind grundsätzlich anzeige- und genehmigungspflichtig; in Wasser- und Heilquellenschutzgebieten gibt es Verbote. Die Genehmigung dauert laut Bundesverband Wärmepumpe in der Regel etwa vier Wochen. Hier erfährst du, wie du Machbarkeit, Genehmigung, Bohrtiefe und Kosten prüfst.
Du überlegst eine Erdwärmepumpe? Hole kostenlos Angebote ein und vergleiche Luft- und Erdwärme-Lösungen.
Kostenlos Angebote einholenTable of Contents
ToggleDie kurze Antwort
- Genehmigung: Bohrungen sind der Behörde anzuzeigen oder zu genehmigen; der Umfang unterscheidet sich je Bundesland. Ab 100 m Tiefe kommt das Bergrecht hinzu (LfU Bayern).
- Wasserschutzgebiet: Dort gelten aus Sicht des Grundwasserschutzes Verbote. Ob dein Grundstück betroffen ist, siehst du oft in Kartenportalen der geologischen Dienste.
- Tiefe: Als Orientierung gelten 25 bis 70 Watt Entzugsleistung je Meter Sonde, grob 50 W/m; typische Bohrungen für Ein- und Mehrfamilienhäuser sind 50 bis 150 m tief.
- Kosten: Im Beispiel von co2online liegen die Gesamtkosten bei 46.500 € vor Förderung, davon 16.000 € für die Bohrung. Je Bohrmeter nennen seriöse Quellen kaum Preise; Festpreisangebote sind wichtig.
Erdsonde oder Erdkollektor?
| Kriterium | Erdsonde (Bohrung) | Flächenkollektor | Erdwärmekorb |
|---|---|---|---|
| Platzbedarf | platzsparend; mehrere Sonden mit 6 bis 10 m Abstand | 1,5- bis 2,5-fache Wohnfläche, ca. 1,5 m tief | 30 bis 50 m² je Korb, Tiefe 1 bis 4 m |
| Genehmigung | erforderlich, ggf. Bodengutachten; in Wasserschutzgebieten kann sie verweigert werden | in der Regel Anzeige; vorab bei der Behörde klären | in der Regel Anzeige |
| Kosten der Erschließung | Bohrung im co2online-Beispiel 16.000 € | laut co2online 8.000 bis 16.000 € (Sole-Wasser mit Kollektoren) | laut co2online günstiger als Sonde |
| Besonderheit | hohe Effizienz; Kostenrisiko bei hartem Gestein | Fläche über dem Kollektor kaum nutzbar (z. B. keine tiefwurzelnden Pflanzen) | wenig verbreitet |
Quellen: co2online (24.09.2026 und 29.09.2026). Preise sind Beispielwerte für ein Einfamilienhaus, keine Festpreise. Die Angabe zur Fläche über dem Kollektor ist unser Hinweis zur Nutzung; sie steht nicht ausdrücklich in der Quelle.
Im Beitrag Aufbau und Funktionsweise erklären wir den Kältekreislauf; für Erdwärme ändert sich nur die Wärmequelle: Statt Außenluft nimmt eine Sole (Wasser-Glykol-Gemisch) die Wärme aus dem Untergrund auf, der in Mitteleuropa bei rund 10 °C liegt.
Genehmigung: Was gilt für Bohrungen?
Das Wasserhaushaltsgesetz verlangt in § 49 die Anzeige von Bohrungen und anderen Arbeiten, die sich auf das Grundwasser auswirken können, bei der zuständigen Behörde. Die Anzeige hat einen Monat vor Beginn der Arbeiten zu erfolgen. Werden Stoffe ins Grundwasser eingebracht, ersetzt eine Erlaubnis die Anzeige. Erdwärmekollektoren bis 4 m Tiefe außerhalb von Wasserschutzgebieten gelten unter bestimmten Voraussetzungen als unbedenklich; die Behörde kann die Tiefe näher bestimmen. Abweichende Landesregelungen sind möglich (§ 49 WHG).
- Zuständigkeit: Untere Wasserbehörde (Landratsamt, Stadt). Ab 100 m Bohrtiefe ist nach dem LfU Bayern eine bergrechtliche Genehmigung nötig, die in der Regel schneller erteilt wird.
- Dauer: Die wasserrechtliche Genehmigung dauert laut Bundesverband Wärmepumpe in der Regel etwa vier Wochen und ist kostenpflichtig. In Bayern muss die Behörde nach der LfU-Seite innerhalb von drei Monaten nach vollständigem Antrag entscheiden; sonst gilt der Antrag als genehmigt.
- Auflagen: Der Bescheid regelt Nutzungsbedingungen, zum Beispiel Begrenzung der Bohrtiefe, Abstände zu Nachbargrundstücken, Betreuung durch einen Sachverständigen und zeitliche Befristung des Betriebs.
- Wer beantragt? In der Regel erledigt das der Fachplaner oder ein zertifiziertes Bohrunternehmen.
Wasserschutzgebiet und Bohrtiefenbeschränkung
Prinzipiell ist Erdwärme überall nutzbar, aus Sicht des Grundwasserschutzes gibt es aber nach dem Bundesverband Wärmepumpe Verbote in Wasser- und Heilquellenschutzgebieten. Generelle Bohrtiefenbeschränkungen gibt es nur in einzelnen Bundesländern, etwa Bayern oder Berlin. Viele Länder bieten Potenzialkarten der geologischen Dienste an, die Machbarkeit und Restriktionsgebiete zeigen; sie ersetzen aber keine Fachplanung. Das LfU Bayern verweist für seinen Bereich auf den UmweltAtlas, der anzeigt, ob der Standort innerhalb oder außerhalb eines Wasserschutzgebiets liegt.
In Sonderfällen kann die Anlage auch mit reinem Wasser statt Sole betrieben werden; dann sind wegen der begrenzten Entzugstemperatur mehr Bohrmeter und höhere Kosten nötig (Bundesverband Wärmepumpe).
Mehr zur Genehmigungslage bei Luftwärmepumpen findest du im Beitrag Genehmigung und Installation.
Wie tief muss gebohrt werden?
Die nötige Sondenlänge hängt von Heizlast, Gesteinseigenschaften und Grundwasserfluss ab. Der Bundesverband Wärmepumpe nennt als Orientierungsgröße 25 bis 70 Watt je Meter Sondenlänge und rät, 50 W/m nur als Anhaltspunkt für eine erste Schätzung zu nehmen. Da das Umfeld der Sonden abgekühlt wird, sind Mindestabstände zwischen den Sonden einzuhalten. Zu viele Bohrmeter verteuern die Anlage, zu wenige senken die Effizienz.
Grafik 1 · Benötigte Sondenlänge je nach Untergrund (Beispiel)
Rechenbeispiel mit vereinfachter Annahme: Entzugsleistung = Heizleistung × (1 − 1/Leistungszahl). Die Spannen sind Orientierungswerte des Bundesverbands Wärmepumpe; die tatsächliche Länge legt ein Planungsbüro fest.
Rechner Sondenlänge · Stand Oktober 2026
Mittelwert im Bestand laut Fraunhofer ISE: JAZ 4,1 (Erdwärme).
Grobe Orientierung nach BWP- und LfU-Werten. Die Spannen der Kosten widersprechen sich teilweise anderen Quellen (siehe Tabelle unten). Keine Planung, keine Zusage zur Genehmigungsfähigkeit.
Was kostet Erdwärme?
Konkrete Preise je Bohrmeter nennen die geprüften Quellen nicht, und Zahlen aus Foren sind nicht belastbar. Wir stellen deshalb die Werte aus nachvollziehbaren Quellen nebeneinander:
| Angabe | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Gesamtkosten im Beispielhaus (130 m², Baujahr 1994, Erdsonde), vor Förderung | 46.500 €: Wärmepumpe 27.000, Bohrung 16.000, Speicher 2.500, Wärmemengenzähler und Pumpe 1.000 | co2online, 24.09.2026 |
| Erschließung der Wärmequelle | 250 bis 950 € je kW Heizleistung (ohne Wärmepumpe) | LfU Bayern, ohne Datum |
| Wärmepumpe selbst | ca. 8.500 bis 12.000 € | LfU Bayern, ohne Datum (ältere Preisbasis) |
| Kollektor-Erschließung | 8.000 bis 16.000 € | co2online, 29.09.2026 |
| Wartung | 100 bis 200 € pro Jahr | co2online, 24.09.2026 |
| Lebensdauer | Wärmepumpe 20 bis 30 Jahre, Sonden und Kollektoren bis zu 50 Jahre | co2online, 24.09.2026 |
Die Werte der Quellen lassen sich nicht ohne Weiteres addieren: Bohrkosten hängen stark vom Untergrund ab (bei hartem Gestein höher). Hole Festpreisangebote ein.
Grafik 2 · Kostenbeispiel Erdwärmepumpe mit Erdsonde
Quelle: co2online (24.09.2026) für die Kostenposten und die Förderrechnung; Zuschussbeispiel mit 30 % Grundförderung plus 16 % Klimageschwindigkeitsbonus auf 28.000 € (KfW-Merkblatt 458, Stand 09/2026), gilt nur bei Erfüllung der Voraussetzungen.
Beim Betrieb zeigt das Beispiel von co2online Energiekosten von 2.040 € pro Jahr statt 3.000 € bei der Gasheizung. Gegenüber der Luftwärmepumpe liegt die Erdwärmepumpe laut co2online rund 300 € pro Jahr niedriger. Dem stehen höhere Anschaffungskosten gegenüber (laut co2online im Mittel 30.500 statt 29.500 € plus 8.000 bis 16.000 € für Kollektoren); allein über die Stromkosten amortisiert sich das nur sehr langsam. Die Jahresarbeitszahl bleibt Prognose: Der Bundesverband Wärmepumpe weist darauf hin, dass die nach VDI 4650 berechnete JAZ von der Praxis abweichen kann.
Förderung: Was für Erdwärme zusätzlich gilt
Die KfW fördert Erdwärmepumpen wie andere Wärmepumpen: 30 Prozent Grundförderung auf höchstens 28.000 € förderfähige Kosten in der ersten Wohneinheit, dazu Boni nach Merkblatt (Stand 09/2026; Rechnung im Eigenanteil-Rechner). Weil Bohrung und Wärmepumpe oft über 28.000 € liegen, bleibt ein Teil der Kosten ungefördert.
Einzelne Städte setzen genau hier an: Die Landeshauptstadt München zahlt für Grundwasser- und Erdwärmepumpen eine Zusatzförderung von 30 Prozent auf die förderfähigen Kosten, die über der BEG-Höchstgrenze liegen (berücksichtigt werden dabei höchstens 30.000 € zusätzliche Kosten für die erste Wohneinheit). Diese Zusatzförderung ist nach der Richtlinie (Stand 11.12.2025) auch möglich, wenn für das Gebäude KfW-Boni beantragt wurden, und fällt nicht unter die 60-Prozent-Kumulierungsgrenze. Im Beispielhaus (46.500 €, 18.500 € über der KfW-Grenze) ergäbe das 5.550 €, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind und München der Standort ist. Mehr dazu und zu anderen Programmen im Beitrag Regionale Förderprogramme.
Ablauf und Zeitplan
| Schritt | Was passiert | Hinweis |
|---|---|---|
| 1. Machbarkeit | Potenzialkarte und Wasserschutzgebiet prüfen; Heizlast und Heizsystem klären | Mehr zur Heizlast |
| 2. Planung | Fachplaner oder Bohrfirma bestimmt Zahl und Tiefe der Sonden | Zu viele Bohrmeter verteuern, zu wenige senken die Effizienz (BWP) |
| 3. Angebote | Bohrfirmen mit DVGW-Zertifikat W 120-2 anfragen | BWP-Unternehmen: Versicherungsschutz mit 24 Monaten Nachhaftung bei zertifizierter Ausführung |
| 4. Förderantrag und Vertrag | BzA, Vertrag mit Bedingung, KfW-Antrag vor Vorhabenbeginn | Reihenfolge wie im Beitrag Einbau: Ablauf und Zeitplan |
| 5. Genehmigung | Anzeige oder wasserrechtliche Erlaubnis, ggf. Bergrecht ab 100 m | ca. vier Wochen (BWP); Anzeige einen Monat vor Beginn (§ 49 WHG) |
| 6. Bohrung und Anschluss | Sonden setzen, Sole-Kreis spülen, Wärmepumpe anschließen | Das Bohrunternehmen dokumentiert Lageplan und Ausbau und übergibt sie dem Bauherrn (BWP) |
Zeitangaben sind Richtwerte; je Bundesland und Landkreis unterscheidet sich der Ablauf.
Risiken und Fragen vor der Entscheidung
- Kostenrisiko Untergrund: Hartes Gestein verteuert die Bohrung (co2online).
- Auslegung: Bei stark steigendem Wärmebedarf (z. B. Anbau) droht Vereisung der Sonde, wenn die Anlage nicht angepasst wird (co2online).
- Nachbarn: Dein Nachbar hat dasselbe Recht auf Nutzung des Untergrunds; Abstände und Auflagen im Bescheid beachten (BWP).
- Alternativen: Kollektor oder Luftwärmepumpe, wenn Bohrung nicht erlaubt oder zu teuer ist; Vergleich im Beitrag Wärmepumpe Kosten 2026.
- Einzelfälle: Wasserschutz, Heilquellen, Altlasten und geologische Besonderheiten klärt die untere Wasserbehörde.
Vergleiche Angebote für Luft- und Erdwärme von Fachbetrieben in deiner Region. Kostenlos und unverbindlich.
Kostenlos Angebote einholenQuellen
- Bundesverband Wärmepumpe: Ratgeber Erdgekoppelte Wärmepumpen – Entzugsleistung, Genehmigungen, Zertifizierung DVGW W 120-2 (Oktober 2025)
- LfU Bayern: FAQ Erdwärmeanlagen – Bohrtiefen, Bergrecht ab 100 m, Entscheidungsfrist, Erschließungskosten je kW
- co2online: Erdwärmepumpe – Kostenbeispiel, JAZ, Flächenbedarf, Genehmigung (24.09.2026)
- co2online: Wärmepumpenarten im Vergleich – Kollektor-Erschließung, Mehrkosten gegenüber Luft (29.09.2026)
- § 49 WHG – Erdaufschlüsse: Anzeige einen Monat vor Beginn
- München: FKG-Richtlinienheft – Zusatzförderung für Erd- und Grundwasserwärmepumpen (gültig ab 11.12.2025)
- KfW-Merkblatt 458 – Fördersätze und Obergrenzen (Stand 09/2026)
Passend dazu: Wärmepumpen Angebote: Preise, Checkliste und kostenlos vergleichen
