CO2-Preis-Schock 2028: Was eine Öl- oder Gasheizung dich bald wirklich kostet
„Der CO2-Preis auf Öl und Gas kommt 2027″ – diese Aussage geistert noch durch viele Ratgeber, ist aber seit November 2025 überholt: Die EU-Umweltminister haben den Start des europäischen Emissionshandels ETS2 um ein Jahr auf 2028 verschoben. Verschoben heißt aber nicht abgesagt – und schon der heutige, nationale CO2-Preis macht Heizöl und Erdgas Jahr für Jahr spürbar teurer. Hier bekommst du die Zahlen, wie sie aktuell tatsächlich aussehen – ohne Panikmache, aber auch ohne Beschönigung. Stand: September 2026.
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ToggleZwei Systeme, die man nicht verwechseln sollte
Aktuell zahlst du auf Heizöl und Erdgas bereits einen nationalen CO2-Preis nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG). Dieser bewegt sich 2026 und 2027 in einem festen Preiskorridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne CO2. Ab 2028 soll er durch den europaweiten EU-Emissionshandel ETS2 abgelöst werden – ein echter Markt, auf dem der Preis nicht mehr politisch gedeckelt ist, sondern durch Angebot und Nachfrage entsteht.
- Bis Ende 2027: Nationaler CO2-Preis (BEHG), Korridor 55–65 €/Tonne, politisch festgelegt.
- Ab 2028 (geplant): EU-ETS2, marktbasierter Preis ohne festen Deckel, betrifft Gebäude und Straßenverkehr EU-weit.
Der Starttermin wurde verschoben – nicht abgesagt
Am 5. November 2025 einigten sich die EU-Umweltminister darauf, den ursprünglich für Anfang 2027 geplanten Start von ETS2 um ein Jahr zu verschieben. Grund war die zugrunde liegende EU-Richtlinie, die genau für den Fall außergewöhnlich hoher Energiepreise eine einjährige Verschiebung erlaubt. Der neue nationale CO2-Preis-Korridor gilt deshalb auch für 2027 unverändert weiter – das reine Aufschieben ändert aber nichts daran, dass der Systemwechsel zu einem freieren, potenziell volatileren Preis kommt.
Was eine Gas- oder Ölheizung heute schon zusätzlich kostet
Bei einem CO2-Preis von 65 Euro pro Tonne – dem oberen Rand des aktuellen Korridors – ergeben sich diese Aufschläge (inklusive Mehrwertsteuer):
- Heizöl: rund 20,7 Cent pro Liter zusätzlich
- Erdgas: rund 1,3 Cent pro Kilowattstunde zusätzlich
Für ein Einfamilienhaus mit einem Verbrauch von etwa 20.000 kWh Gas im Jahr summiert sich allein der CO2-Preis-Anteil damit schon heute auf rund 260 Euro pro Jahr – ohne dass der eigentliche Gaspreis überhaupt gestiegen sein muss.
Und ab 2028? Drei Einschätzungen im Vergleich
Wie hoch der CO2-Preis nach dem Start von ETS2 tatsächlich liegt, weiß aktuell niemand exakt – es handelt sich um Prognosen, keine Fakten. Zur Einordnung drei unabhängige Quellen:
| Quelle | Einschätzung für den CO2-Preis |
| Umweltbundesamt (Modellrechnung) | rund 80 €/Tonne zu Beginn, bis 275 €/Tonne im Jahr 2040 |
| Terminmarkt (Future-Kurs, Stand Okt. 2025) | rund 78 €/Tonne für Lieferung Ende 2027 |
| Marktexperten (obere Schätzungen) | bis zu 200 €/Tonne |
Nimmt man zur groben Orientierung einen Wert von 150 €/Tonne als Beispielrechnung – das ist ausdrücklich eine Illustration, keine Prognose –, würde sich der jährliche CO2-Preis-Anteil für dasselbe Einfamilienhaus von rund 260 auf etwa 600 Euro mehr als verdoppeln. Bei einer Ölheizung mit rund 2.500 Litern Jahresverbrauch wären es rund 1.200 Euro statt heute etwa 520 Euro.
Was das für Wärmepumpen-Besitzer bedeutet
Eine Wärmepumpe verbrennt vor Ort keinen Kraftstoff, sondern nutzt Strom – und Strom unterliegt weder dem BEHG noch künftig ETS2 auf dieselbe Weise wie Heizöl oder Erdgas. Die CO2-Kosten der Stromerzeugung stecken zwar über den europäischen Emissionshandel ETS1 bereits heute anteilig im Strompreis, fallen aber wegen des wachsenden Anteils erneuerbarer Energien im deutschen Strommix pro Kilowattstunde deutlich geringer aus als bei der direkten Verbrennung von Öl oder Gas. Wer schon eine Wärmepumpe hat oder den Umstieg plant, ist von der Entwicklung ab 2028 also spürbar weniger betroffen als Öl- und Gas-Haushalte.
Wichtig bleibt dabei die Gebäudehülle: Je schlechter gedämmt, desto mehr Strom verbraucht auch die Wärmepumpe. Was moderne Dämmmethoden bringen, liest du in unserem Dämmungs-Ratgeber.
Häufige Missverständnisse
- „ETS2 wurde abgesagt.“ Falsch – nur um ein Jahr auf 2028 verschoben, der nationale CO2-Preis läuft bis dahin unverändert weiter.
- „Der CO2-Preis betrifft nur neue Heizungen.“ Falsch – er wird auf jeden Liter Heizöl und jede Kilowattstunde Gas erhoben, unabhängig vom Alter der Anlage.
- „Wärmepumpen-Strom wird durch ETS2 genauso teuer wie Gas.“ Nein – Strom wird nicht direkt über BEHG/ETS2 bepreist, die CO2-Kosten der Erzeugung sind durch den Strommix pro kWh deutlich geringer.
- „Die genaue Preishöhe ab 2028 steht schon fest.“ Nein – es handelt sich um Prognosen mit erheblicher Schwankungsbreite, kein festgelegter Wert.
Fazit: Verschoben ist nicht aufgehoben
Der CO2-Preis auf Öl und Gas steigt schon heute planmäßig weiter – der Systemwechsel zu ETS2 kommt lediglich ein Jahr später als ursprünglich vorgesehen. Für alle, die ohnehin über eine neue Heizung nachdenken, ist das ein zusätzliches, plan- und berechenbares Argument, die Entscheidung nicht endlos aufzuschieben. Wie du dich dabei vor teuren Förderfehlern schützt, zeigt dir unsere Förder-Checkliste.
Wer jetzt über eine neue Heizung nachdenkt, sollte nicht nur fragen:
„Was kostet mich die Anschaffung?“
sondern auch:
„Was kostet mich der Betrieb, wenn der CO2-Preis in den nächsten Jahren weiter steigt?“
Quellen
- Deutscher Bundestag – Kurzmeldung zum CO2-Preis-Korridor 2026/2027 (BEHG)
- IHK-Netzwerk – Verschiebung des Starts von EU-ETS2 auf 2028
- Umweltbundesamt – Modellrechnung zur Entwicklung des CO2-Preises
