Von der Redaktion Wärmepumpen Vergleichsportal · Stand: 15. Oktober 2026, 15:47 Uhr
SG Ready ist ein Label des Bundesverbands Wärmepumpe für Wärmepumpen, die sich über eine definierte Schnittstelle von außen ansteuern lassen, etwa durch den Netzbetreiber oder eine Photovoltaikanlage. Mit einem dynamischen Stromtarif und einem intelligenten Messsystem (Smart Meter) kann eine flexible Wärmepumpe Strom dann beziehen, wenn er günstig ist. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, wie viel Betrieb sich verschieben lässt. Eine Pflicht zum SG-Ready-Label nennt der Verband nicht. Hier erklärst du Schnittstelle, Tarife, Smart-Meter-Pflicht und Rechenbeispiel.
Du planst eine steuerbare Wärmepumpe? Hole kostenlos Angebote ein und frage nach SG Ready und Schnittstellen.
Kostenlos Angebote einholenTable of Contents
ToggleDie kurze Antwort
- SG Ready bedeutet: Die Wärmepumpe hat einen Eingang, über den sie Signale zum Sperren, Normalbetrieb oder verstärkten Betrieb erhält. Es ist ein Verbandslabel, kein Gesetz.
- Dynamischer Tarif: Seit 1. Januar 2025 müssen alle Stromanbieter mindestens einen dynamischen Tarif anbieten (Verbraucherzentrale Niedersachsen). Der Preis folgt dem Börsenstrompreis und ändert sich stündlich.
- Smart Meter nötig: Für einen echten dynamischen Tarif brauchst du ein intelligentes Messsystem; seit 1. Januar 2025 kannst du den Einbau verlangen.
- Risiko: Es gibt keine gesetzliche Preisobergrenze. Wer seinen Verbrauch nicht verschieben kann, spart wenig.
Was bedeutet SG Ready?
Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) vergibt das Label für Wärmepumpen, die sich über eine definierte Schnittstelle für ein Lastmanagement ansteuern lassen, etwa durch Netzbetreiber oder zur Steigerung des Eigenverbrauchs mit Photovoltaik (BWP: SG Ready). Die Anlage braucht dafür einen Regler, der die Betriebszustände abdeckt; eine Sperre allein über den Raumthermostat reicht nicht.
Die vier Betriebszustände der Schnittstelle 1.0
| Signal (SG1/SG2) | Betriebszustand | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1:0 | Sperre | Entspricht der klassischen EVU-Sperre; die harte Sperrzeit darf höchstens zwei Stunden dauern |
| 0:0 | Normalbetrieb | Energieeffizienter Betrieb; der Speicher wird anteilig gefüllt, um eine Sperre zu überbrücken |
| 0:1 | Einschaltempfehlung | Verstärkter Betrieb für Heizung und Warmwasser; eine Empfehlung, kein fester Anlaufbefehl |
| 1:1 | Anlaufbefehl | Definitiver Anlauf, soweit die Reglereinstellungen es zulassen; je nach Variante nur Verdichter oder zusätzlich elektrische Zusatzheizung |
Quelle: BWP-Seite zum SG-Ready-Label (2026). Schnittstelle 1.1 arbeitet mit drei Zuständen (Leistungsbegrenzung, Normalbetrieb, verstärkter Betrieb).
- Eine vollständige Sperre darf maximal zwei Stunden dauern und höchstens dreimal täglich erfolgen.
- Schnittstellenkompatible Systemkomponenten müssen Signale mindestens 10 Minuten halten.
- Ob das Label gesetzlich verpflichtend oder Voraussetzung einer Förderung ist, nennt die BWP-Seite nicht. Prüfe die Förderbedingungen im Einzelfall.
Dynamischer Stromtarif: So funktioniert er
Ein dynamischer Tarif hat keinen festen Arbeitspreis, sondern folgt dem Börsenstrompreis und ändert sich stündlich. Er lohnt sich nach Angaben der Verbraucherzentrale Niedersachsen (Stand 01.07.2026) vor allem, wenn du deinen Verbrauch flexibel in günstige Stunden verlegen kannst; Haushalte mit Wärmepumpe gehören dort zu den Gruppen, für die dynamische Tarife besonders interessant sind, sofern der Betrieb zeitlich verschoben werden kann. Konkrete Einsparbeträge nennt die Verbraucherzentrale nicht.
- Voraussetzung: ein intelligentes Messsystem, das den Verbrauch viertelstündlich oder stündlich erfasst. Weil der Einbau dauern kann, bieten viele Versorger bis dahin Übergangstarife an.
- Risiko: Bei hoher Nachfrage oder geringer Einspeisung kann der Preis stark steigen. Nur wenige Anbieter bieten eine vertragliche Obergrenze, meist gegen Aufpreis.
- Zusatzkosten: Smart Meter, Messstellenbetrieb und Grundpreis zählen zur Rechnung. Wähle möglichst eine kurze Laufzeit; die meisten Tarife sind monatlich kündbar.
- Hilfsmittel: Achte auf Apps, die aktuelle Preise anzeigen, und auf Preisobergrenzen.
Grafik 1 · Warum flexible Wärmepumpen vom dynamischen Tarif profitieren können
Schematische Darstellung der typischen Form: Die Höhe der Balken ist nicht aus Marktdaten abgeleitet. Reale Börsenpreise schwanken von Tag zu Tag stark.
Smart Meter: Wann ist es Pflicht?
Nach § 29 des Messstellenbetriebsgesetzes muss der grundzuständige Messstellenbetreiber ein intelligentes Messsystem einbauen, wenn der Jahresstromverbrauch über 6.000 Kilowattstunden liegt und der Einbau wirtschaftlich vertretbar ist. Ebenfalls Pflicht ist ein intelligentes Messsystem mit Steuerungseinrichtung, wenn mit dem Letztverbraucher eine Vereinbarung nach § 14a EnWG besteht (§ 29 MsbG). Wo kein intelligentes Messsystem vorgeschrieben ist, muss bis zum 31. Dezember 2032 mindestens eine moderne Messeinrichtung eingebaut werden.
Gerade mit Wärmepumpe liegst du oft über der 6.000-Kilowattstunden-Grenze: Im Modellhaus unseres Beitrags So stark steigen die Stromkosten mit einer Wärmepumpe steigt der Gesamtverbrauch von rund 3.800 auf etwa 8.500 bis 10.000 kWh pro Jahr. Ob der Einbau in deinem Fall wirtschaftlich vertretbar ist und wann er erfolgt, entscheidet der Messstellenbetreiber.
Netzentgelt-Rabatt oder dynamischer Tarif?
Parallel zum dynamischen Tarif gibt es die Netzentgelt-Module nach § 14a EnWG. Die Verbraucherzentrale beschreibt sie für Wärmepumpenstrom so (Stand 18.05.2026; Details auch im Beitrag Heizkosten pro Monat):
| Modul | Wirkung | Voraussetzung |
|---|---|---|
| Modul 1 | Pauschalrabatt von durchschnittlich rund 150 € pro Jahr brutto (Spanne 106 bis 210 €) | Kein zusätzlicher Zähler nötig |
| Modul 2 | Netzentgelt-Arbeitspreis sinkt um 60 %, plus Erlass des Grundpreises (ca. 95 € pro Jahr) | Eigener Zähler; lohnt sich laut Verbraucherzentrale ab etwa 4.000 kWh pro Jahr |
| Modul 3 | Zeitvariable Netzentgelte mit Standard-, Niedrig- und Hochtarif | Intelligentes Messsystem; ohne eigenen Zähler gilt es für den gesamten Haushaltsstrom; nur mit Modul 1 kombinierbar |
Quelle: Verbraucherzentrale NRW und RLP (18.05.2026). Ein Moduswechsel ist einmal jährlich möglich, nicht rückwirkend.
Nach der neuen Regelung wird die Wärmepumpe nicht mehr abgeschaltet, sondern nur bei Netzüberlastung gedrosselt, und zwar nie unter 4,2 kW Strombezug. Ob Modul 3 zu deiner Anlage passt, hängt laut Verbraucherzentrale unter anderem von der Größe des Pufferspeichers ab; mehr dazu im Beitrag Pufferspeicher: Brauche ich einen?.
Was die Wärmepumpe flexibel macht
- Gebäudemasse und Speicher: Estrich, Warmwasserspeicher und gegebenenfalls ein Pufferspeicher nehmen Wärme auf, wenn Strom günstig ist, und geben sie später ab.
- Steuersignal: Ein Energiemanager, Wechselrichter oder Smart-Home-System schaltet die SG-Ready-Kontakte, zum Beispiel bei PV-Überschuss oder niedrigen Börsenpreisen.
- Grenzen: Je besser gedämmt das Haus und je größer die Speichermasse, desto mehr lässt sich verschieben. Bei hohen Heizlasten im Winter bleibt wenig Spielraum.
Rechner dynamischer Tarif · Stand Oktober 2026
Im Modellhaus: 19.000 kWh Wärme bei JAZ 3,5. Deinen Wert rechnest du mit dem Abschlag-Rechner.
BDEW-Durchschnitt 2026: 37,0 ct/kWh.
Beispielwert, keine Marktdaten. Ermittle ihn aus den Preisen deines Anbieters für die Stunden, in denen die Wärmepumpe tatsächlich läuft.
Smart Meter, Messstellenbetrieb, Grundpreis-Unterschied gegenüber dem festen Tarif.
Vereinfachte Rechnung für den Wärmepumpenstrom allein. Haushaltsstrom, Netzentgelt-Module und Preisspitzen sind nicht berücksichtigt. Keine Tarifberatung.
Checkliste: So gehst du vor
- Gerät klären: Frage im Angebot nach SG-Ready-Kennzeichnung oder anderer Schnittstelle und danach, wer die Ansteuerung programmiert.
- Zählerplatz prüfen: Für Smart Meter und gegebenenfalls einen zweiten Zähler muss im Zählerschrank Platz sein.
- Smart Meter beauftragen: Beim Messstellenbetreiber den Einbau verlangen (Recht seit 01.01.2025); bis dahin Übergangstarife prüfen.
- Netzentgelt-Modul wählen: Modul 1, 2 oder 3 mit deinem Verbrauch durchrechnen; Wechsel nur einmal jährlich.
- Tarif vergleichen: Grundpreis, Zusatzkosten, Preisobergrenze, Laufzeit und App prüfen.
- Mit PV kombinieren: Überschussstrom zuerst nutzen, günstige Netzstunden danach.
- Heizlast und Speicher: Eine passend ausgelegte Anlage (Heizlast) ist die Basis für jede Flexibilität.
Du suchst einen Fachbetrieb für eine steuerbare Wärmepumpe? Hole kostenlos Angebote ein.
Kostenlos Angebote einholenQuellen
- Bundesverband Wärmepumpe: SG Ready – Label, Betriebszustände, Voraussetzungen (2026)
- Verbraucherzentrale Niedersachsen: Dynamischer Stromtarif – Voraussetzungen, Risiken, Empfehlung für Wärmepumpen (Stand 01.07.2026)
- Verbraucherzentrale: Wärmepumpenstrom – Netzentgelt-Module 1 bis 3, Drosselung (Stand 18.05.2026)
- § 29 MsbG – Pflichteinbau intelligenter Messsysteme
- Netze BW: Neuregelung § 14a EnWG – Module und Voraussetzungen, Stand 2026
Passend dazu: Wärmepumpen Angebote: Preise, Checkliste und kostenlos vergleichen
