Für die meisten Wärmepumpen im Einfamilienhaus ist R290 (Propan) 2026 das effizienteste Kältemittel – vor allem bei kalten Außentemperaturen. Warum das so ist, wie die Alternativen abschneiden und was die neue F-Gase-Verordnung für Ihre Kaufentscheidung bedeutet, erklären wir hier mit mehreren Grafiken. Stand: 23. September 2026, 17:02 Uhr.
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ToggleDie kurze Antwort: R290 (Propan)
Von den gängigen Kältemitteln erreicht R290 bei niedrigen Außentemperaturen die beste Effizienz, hat mit einem GWP von unter 3 mit Abstand die geringste Klimawirkung und gilt als zukunftssicher, weil es von der schärferen EU-Kältemittelregulierung nicht betroffen ist. Der einzige Nachteil: R290 ist brennbar (Sicherheitsklasse A3) – moderne Geräte gleichen das aber durch geringe Füllmengen und Sicherheitstechnik aus.
Warum das Kältemittel überhaupt über die Effizienz entscheidet
Das Kältemittel ist der Stoff, der in der Wärmepumpe zwischen flüssig und gasförmig wechselt und dabei Wärme aufnimmt und wieder abgibt. Seine thermodynamischen Eigenschaften bestimmen direkt, wie viel Heizleistung die Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom herausholt – besonders bei niedrigen Außentemperaturen, wenn der Kompressor am härtesten arbeiten muss. Genau hier zeigen sich die größten Unterschiede zwischen den Kältemitteln.
Grafik 1 · Effizienz bei -15 °C Außentemperatur (COP)
Je höher der COP (Coefficient of Performance), desto mehr Heizleistung liefert dieselbe Menge Strom. Der Vorsprung von R290 fällt besonders bei tiefen Außentemperaturen ins Gewicht – genau dann, wenn die Wärmepumpe am meisten leisten muss.
Der Klima-Unterschied ist noch deutlicher als der Effizienz-Unterschied
Neben der Effizienz spielt das sogenannte GWP (Global Warming Potential, Treibhauspotenzial) eine entscheidende Rolle. Es gibt an, wie stark ein Kilogramm des jeweiligen Kältemittels im Vergleich zu einem Kilogramm CO₂ zur Erderwärmung beiträgt, falls es aus der Anlage entweicht. Bei den heute noch verbreiteten Kältemitteln liegen hier Welten zwischen den Werten.
Grafik 2 · GWP-Vergleich (Treibhauspotenzial)
Balkenlänge proportional zum GWP-Wert. R290 ist damit rund 700-mal klimafreundlicher als das ältere R410A und noch etwa 225-mal klimafreundlicher als R32.
Alle gängigen Kältemittel im Überblick
| Kältemittel | GWP | Sicherheitsklasse | Status 2026 |
| R290 (Propan) | ca. 3 | A3 (brennbar) | Erste Wahl für neue Wärmepumpen |
| R32 | 675 | A2L (schwer entflammbar) | Weit verbreitet, ab 2027 für kleine WP eingeschränkt |
| R454B | 466 | A2L (schwer entflammbar) | Übergangslösung für größere Split-Anlagen |
| R454C | ca. 148 | A2L (schwer entflammbar) | Brückenlösung, u. a. für Hochtemperatur-WP im Bestand |
| R410A | 2.088 | A1 (nicht brennbar) | Auslaufend, Neugeräte seit 2025 stark eingeschränkt |
| R744 (CO₂) | 1 | A1 (nicht brennbar) | Nische: sehr hohe Warmwassertemperaturen |
Zum Vergleich: R744 ist chemisch identisch mit natürlichem CO₂ und hat mit GWP 1 den niedrigstmöglichen Wert überhaupt. Es kommt aber wegen seines sehr hohen Betriebsdrucks (bis zu 100 bar) nur in speziellen Anlagen zum Einsatz – vor allem dort, wo sehr hohe Warmwassertemperaturen gebraucht werden, etwa in Gewerbebetrieben oder für die zentrale Warmwasserbereitung.
Ist R290 als brennbares Kältemittel gefährlich?
R290 gehört zur Sicherheitsklasse A3 und ist damit brennbar – das klingt zunächst nach einem Nachteil. In der Praxis relativiert sich das Risiko aber deutlich: Moderne R290-Wärmepumpen arbeiten mit sehr geringen Füllmengen (meist unter 1,5 kg), einem vollständig gekapselten Kältekreislauf, Leckage-Sensoren und funkenfrei ausgelegten Kompressoren. Propan wird zudem seit Jahrzehnten sicher in Kühlschränken und Klimageräten eingesetzt. Fachbetriebe, die R290-Anlagen installieren, benötigen eine spezielle Sachkunde nach EU-Verordnung – ein zusätzlicher Sicherheits-Check, der bei der Installation ohnehin verpflichtend ist.
Die F-Gase-Verordnung: Warum R410A und R32 ein Ablaufdatum haben
Im März 2024 ist die verschärfte EU-F-Gase-Verordnung (EU 2024/573) in Kraft getreten. Sie schreibt einen stufenweisen Ausstieg aus klimaschädlichen, synthetischen Kältemitteln bis 2050 vor und betrifft auch neue Wärmepumpen direkt.
Grafik 3 · Zeitplan der F-Gase-Verordnung
Bereits bestehende Anlagen genießen Bestandsschutz und dürfen unabhängig vom Kältemittel weiterlaufen. Die Fristen betreffen ausschließlich neu verkaufte Geräte und Frischware für Wartungsarbeiten.
Konkret bedeutet das: Ab dem 1. Januar 2027 dürfen Monoblock-Wärmepumpen bis 50 kW und Split-Luft-Wasser-Wärmepumpen bis 12 kW nur noch mit einem Kältemittel unter GWP 150 verkauft werden – R32 mit GWP 675 fällt für diese Geräteklasse damit weg, R454C mit rund 148 wäre knapp zulässig, R290 problemlos. Bereits installierte Anlagen dürfen unabhängig vom Kältemittel weiterlaufen; es gibt keinen pauschalen Betriebsverbot für Bestandsanlagen.
Bonus: Förderung für natürliche Kältemittel
Wer sich für R290 statt eines synthetischen Kältemittels entscheidet, profitiert bei der staatlichen Wärmepumpen-Förderung zusätzlich von einem Effizienzbonus von 5 Prozentpunkten – ausschließlich für Geräte mit natürlichem Kältemittel. Das verstärkt den wirtschaftlichen Vorteil von R290 zusätzlich zur reinen Betriebseffizienz.
Häufige Missverständnisse
- „Brennbares Kältemittel bedeutet unsichere Wärmepumpe.“ Nein – die geringen Füllmengen und die Sicherheitstechnik moderner R290-Geräte machen das Risiko im Alltag vernachlässigbar.
- „Meine bestehende R410A-Wärmepumpe muss jetzt getauscht werden.“ Nein, Bestandsanlagen genießen Bestandsschutz und dürfen unabhängig vom Kältemittel weiterlaufen.
- „CO₂ (R744) ist grundsätzlich das beste Kältemittel.“ Nur für sehr hohe Warmwassertemperaturen – für die normale Raumheizung ist R290 in den meisten Einfamilienhäusern die effizientere und günstigere Wahl.
- „Alle A2L-Kältemittel sind gleich klimafreundlich.“ Nein, R32 (GWP 675), R454B (GWP 466) und R454C (GWP ca. 148) unterscheiden sich deutlich.
Fazit: R290 ist 2026 die zukunftssichere Standardwahl
Für die allermeisten Neubau- und Sanierungsprojekte ist R290 (Propan) 2026 das effizienteste UND das klimafreundlichste verfügbare Kältemittel – mit dem zusätzlichen Vorteil des Förder-Effizienzbonus und ohne das Risiko künftiger Kältemittel-Verbote. R32 und R454B bleiben als Übergangslösungen relevant, verlieren aber je nach Geräteklasse ab 2027 an Boden. Welches Kältemittel im konkreten Angebot verbaut ist, lohnt sich in jedem Fall nachzufragen – am schnellsten geht das im direkten Vergleich mehrerer Angebote.
Mehr zum Thema Sicherheit findest du in unserem Beitrag Warum eine Wärmepumpe anfangen kann zu rauchen.
Quellen
- EU-Verordnung 2024/573 (F-Gase-Verordnung) – Phase-down-Zeitplan und Grenzwerte
- Umweltbundesamt – FAQs zur F-Gas-Verordnung, Kältemittel und Treibhauspotenzial (GWP)
- Deutsche Umwelthilfe – Factsheet Kältemittel in Wärmepumpen
- Autarc Energy – Effizienzvergleich (COP) von R290- und R32-Wärmepumpen bei tiefen Außentemperaturen
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